Ueli Bugmann
  2008 mit Miriam nach Argentinien ausgewandert.

(390) Abwarten und Mate trinken

Miriams Bruder «Beto» (Alberto) und seine Ehefrau Rosa sind extra aus Buenos Aires zum 15. Geburtstag von Tamara hergereist (siehe früheren Beitrag). Mit ihnen zusammen machen wir einen dreitägigen Ausflug zu den Cataratas. Diesmal nehmen wir einen anderen Weg als üblich und zwar über Bernardo de Irigoyen. Vor fünf Jahren machte ich diesen Weg zum letzten Mal. Damals endete der Asphalt in Bernardo de Irigoyen. Von da bis zu den Wasserfällen gab es nur noch eine mit Löchern durchsetzte Piste. Dank der jetzigen Präsidentin ist beinahe alles asphaltiert. Die Strecke hat von ihren Reizen trotzdem vieles behalten und noch immer säumen einzelne Holzhäuschen die Strasse.

Abwarten und Mate trinken

Auch begegnen wir einem Ochsenkarren.

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Matepause mit dem Besitzer des Ochsenkarrens (Bil: Ueli Bugmann)

Auf unsere Frage, ob wir ein Bild machen dürften, meint der Mann «selbstverständlich» und trinkt mit uns anschliessend Mate. Er habe Zeit, obwohl er noch über 24 km vor sich habe, aber er sei sein eigener Herr und niemand hetze ihn (und seine Ochsen). Er müsse Brennholz abholen und wenn er es heute nicht schaffe, werde es halt morgen…
Überall sehen wir Yerba Mate Anpflanzungen.

Etwas Teeorie

Jetzt schreibe ich andauernd über Mate, also erkläre ich mal genauer, was das ist: Der Strauch heisst «ilex paraguariensis», wird bis zu zwei Meter hoch und wird zweimal jährlich geerntet. Dazu werden die neuen Zweige abgebrochen und zu einern «secadero» (einer Trocknungsanlage) gebracht. Nachher wird er je nach Zweck kürzer oder länger gelagert, um später abgepackt zu werden. Die Yerba gibt es dann in vielen Sorten: grob, mittelfein, fein, mit Stiel, welcher je nach Anwendung fein, halbdick oder dick ist («Yerba con Palos»). Der ganze Inlandbedarf wird abgedeckt. Aber man staune: Einer der grössten Abnehmer ist Syrien! 58 Prozent der gesamten jährlichen Ernte von total 32′000 Tonnen gehen in die USA und nach Europa. In Europa wird Yerba hauptsächlich von Heimwehargentiniern, -Paraguayern und -Uruguayern konsumiert. Auch wird der Yerbapflanze eine stärkere medizinische Wirkungen als dem Grüntee zugeschrieben. Yerba gibt Energie, senkt den Colesterinspiegel und wirkt u.a. auch als Schlankmacher.

Viel Erfolg hat der Mate organico (ohne Pflanzschutzmittel). In den USA wird Mate sogar Bier beigemischt - “Mateveza” oder ein Capuchino mit Mate Tee gemischt, welcher unter den Namen “PixieMate” läuft.

Ein Fall für Brasilien und Argentinien

Doch zurück zu unserem Ausflug zu den Cataratas del Iguazu. Alvar Nuñez Cabeza de Vaca hat sie 1541 entdeckt, als er auf der Suche nach dem Goldschatz der Incas den Rio Parana Richtung Norden herauffuhr. Leider ist er dabei etwas vom Weg abgekommen…

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Cataratas del Iguazu, Garganta del Diablo (Bild: Ueli Bugmann)

Bei normalem Wasserstand stürzen 1700 Kubikmeter pro Sekunde die Wasserfälle runter. Argentinien besitzt zwar die Wasserfälle aber Brasilien hat die schönste Aussicht auf sie. In Argentinien gibt es zwei Möglichkeiten, die Fälle zu besuchen: den oberen Weg, auf dem man die herabstürzenden Wassermassen bestaunen kann oder den unteren Weg von dem aus man die Wassermassen in ihrer überwältigenden Höhe sieht. Mit einem Motorboot kann man auf die Insel San Martin übersetzen und im hinteren Teil der Insel den gewaltigen Salto San Martin bestaunen. Wenige Menschen verirren sich dorthin und man kann in Ruhe das gewaltige Schauspiel geniessen.

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Angekommen: Ueli und Miriam am östlichen
Dreiländerzipfel Argentiniens (Bild: Ueli Bugmann)

Unterkunft gibt es am Ort - das etwas teure Sheraton-Hotel - aber wir fahren 20 km weiter nach Puerto Iguazu. Dort gibt es viele Hotels in allen möglichen Preisklassen und gute Restaurants. Damit sind wir am östlichsten Zipfel von Nordargentinien angelangt. Am Ende der Stadt befindet sich das Dreiländereck: links Paraguay, mit dem Rio Parana und vorne Brasilien mit dem Rio Iguazu. Damit sind wir auch am Ende unser Reise angelangt - bei 43°C.

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In Erinnerungen schwelgen mit Jugendfreund Jorge, links
(Bild: Ueli Bugmann)

Jugenderinnerungen

In einem guten Restaurant treffe ich den Jugendfreund «Jorge» Jürgen Roth, den ich seit etwa 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Es wird ein unterhaltsamer Abend. Unter viel Gelächter tauschen wir Jugenderinnerungen aus - es war, als hätten wir uns erst vor nicht so langer Zeit zuletzt gesehen. Der Abend ist viel zu kurz und Miriam muss mehr als einmal den Kopf schütteln ob all der Geschichten, die wir uns zu erzählen haben. Diese Seite von mir kannte sie nicht…

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Ein Geheimtipp namens «Wanda» (Bild: Ueli Bugmann)

Langsam machen wir uns auf den Heimweg nach Aristobulo del Valle. In Wanda, am Ufer des Rio Parana, kommen wir an einer Halbedelstein-Mine vorbei und besuchen diese. Auch hatte ich von einer wunderschönen Lodge am Rio Uruguay gehört, welche in der Nähe von den Saltos del Mocona liegen soll. Diese mitten im Urwald und wunderbar ruhig an einem Flussufer gelegene Herberge können wir bestens empfehlen.  Es gibt lokale Spezialitäten, der Inhaber kümmert sich höchst persönlich um seine Gäste und macht mit ihnen auch Touren in die Umgebung. Mit anderen Worten: ein kleiner Geheimtip für Geniesser, welche ein paar Tage die Zivilisation entfliehen möchten.

Wer sich vertieft über die Provinz Misiones informieren möchte, dem empfehlen wir den Eintrag in Wikitravel sowie die englischsprachige Wikipedia-Seite.

Weiterführende Links
(389) La Hermosa - die Stattliche
Lodge Don Enrique
Misiones in Wikitravel
Misiones in Wikipedia