Ueli Bugmann
  2008 mit Miriam nach Argentinien ausgewandert.

(389) Misiones, «La Hermosa» - die Stattliche

Nach unserer fast 2000 km langen Anreise erreichen wir endlich Aristobulo del Valle (siehe auch letzten Bericht). Die Stadt liegt mehr oder weniger in der Mitte der «Sierra Central» oder auch «Sierra de Misiones» genannt, die eine Wasserscheide ist: Nach Osten fliessen alle Flüsse und Bäche in den Rio Parana, und nach Westen alle in den Rio Uruguay.

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Links Paraguay mit Rio Parana,
rechts Brasilien mit Rio Iguazu (Bild: Ueli Bugmann)

Die höchste Erhebung ist der Cerro Rincon bei Bernardo de Irigoyen, ein Städtchen mit etwa 20′000 Einwohnern.

Mit 15 vom Mädchen zur Señorita

Wir leben dort bei einer Nichte von Miriam, Norma, Ehemann «Kuki» und unserem Patenkind Naty. Sie haben eine eigene Eisenwarenhandlung und es geht ihnen gut. Der grösste Teil von Verwandschaft lebt dort und in der Umgebung. Miriam ist das Nesthäckchen von zehn Geschwistern. Eingeladen waren wir dort zum 15. Geburtstag von Tamara Friedenberg (der Tochter von Miriams Schwester Marta).

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Tamara an ihrem wichtigen 15. Geburtstag
zwischen Miriam und Ueli (Bild: Ueli Bugmann)

In Argentinien ist der 15. Geburtstag sehr wichtig für eine junge Dame. Sie übertritt an diesem Tag die Schwelle vom Mädchen zum Fräulein. Mit einem riesigen Fest wird sie vom Vater in die Gesellschaft eingeführt und darf sich ab sofort Señorita nennen. Mit einem rosaroten langen Kleid lädt sie Freunde, Bekannte und Verwandte ein. Dieses mal ist es keine Party, sondern eine richtige Feier und damit ein bisschen anders als sonst heute üblich: kein DJ oder Orchester und auch kein Tanz. Ich bin sehr überrascht: Es gibt sie also doch noch, die wohlerzogene argentinische Jugend. Wir verbringen den Abend mit einem Festessen und Gesellschaftsspielen, mit viel Gelächter und Freude und Frohsinn. Am Schluss darf Tamara ihre Torte anschneiden wie eine grosse Dame… Gefeiert wird in der Casa Suiza in Obera. Obera ist eine etwas grössere Stadt, etwa 4 km von ihrem Wohnort Picada Guarani entfernt.

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Miriams grosse Verwandtschaft beim Feiern (Bild: Ueli Bugmann)

Auf Schweizer Spuren - vom Bernhardiner bis zum Handörgeli

Wie schon früher beschrieben (siehe letzten Bericht), ist Misiones eine Einwanderungsprovinz. Die Stadt Obera stellte den Colonien ein Stück Land zur Verfügung. Darauf findet jedes Jahr im September die grosse «Fiesta del Inmigrante» statt. Jede «Colectividad» baute ein typisches Haus aus ihrer Heimat und bewirtet darin die Gäste mit ihren typischen Gerichten und lockt mit Tanz, Musik und Vorführungen. Das Fest dauert 14 Tage, es gibt tausende von Besuchern aus Nah und Fern.

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Colectividad Suiza in Obera/Misiones: Impressionen vom Umzug mit
Schweizer Trachten (Bild: Ueli Bugmann)

An der Einweihung findet in der Stadt ein grosser Umzug statt, alle in ihren typischen Trachten, alten Fahrzeuge, Pferdekarren, Ochsenkarren usw. Wir staunen nicht schlecht, denn bei der «Colectividad Suiza» sieht man vom Bernhardiner über das Alphorn, dem Jodelchor bis zu Kühen mit Blumenschmuck und Handörgeli alles, wie in der Schweiz. Auch fehlt in ihrem Haus das Fondue mit Kirsch nicht (Gott sei Dank ist es Winter!). Auch wird eine Königin gewählt. Letztes Jahr fiel die Wahl auf eine bildhübsche Ukrainerin. Bei der Ansprache wurde viel gelacht, denn sie brachte nur mit Mühe einige Wörter in der Sprache ihrer Vorfahren heraus, der Rest folgte auf Spanisch. Wenn der Anlass vorbei ist, vermietet jede Gemeinschaft ihr Haus für Hochzeiten, Geburtstage oder andere Anlässe, so auch für unsere Feier.

Weiterführende Links
(388) Die Erde rot, die Haare blond

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Kommentare

  1. Catherine Beuret

    06.07.2009 7:08

    Lieber Ueli Bugmann, wie sind doch Ihre Berichte spannend! Besonders gefällt mir, dass wir auch Persönliches erfahren dürfen und einen Teil Ihrer Familie sehen können. Primitiv wie ich bin, dachte ich immer, diese Gegend sei dürr, Sie belehren mich mit Ihren Aufnahmen eines Besseren. Vielen Dank.