Christa Morf
  Seit 1998 auf Hawaii (USA)

(242) Spezielle Kommunikation sorgt für Kontakte

1998, bei der Ankunft auf Hawaii, wollte ich meine Arbeit als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation auch in Maui weiterführen. Was versteht man darunter? Diese Kommunikation führt zur Verbindung zwischen Menschen, auch wenn diese grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sind. Ehrlichkeit und Klarheit sind das Resultat, weil nicht nur das Sprechen sondern auch das Hören verfeinert wird. Und natürlich beginnt das Sprechen und Hören nicht nur im Kopf sondern auch im Herzen, weshalb dieser Kommunikationsprozess manchmal “Sprache des Herzens” genannt wird.

Arbeiten auf Hawaii

Dieser Blog wendet sich ja in erster Linie an Pensionierte. Der Einblick in die Arbeitswelt schafft aber auch Verständnis für andere Aspekte in einem Land. Ausserdem ist Gewaltfreie Kommunikation etwas, das ich auch nach der Pensionierung weiterführe.

Da ich bei meiner Einreise (siehe Auszeit oder gleich ganz aussteigen?) nur ein Besuchsvisum besass, durfte ich keiner bezahlte Arbeit nachgehen. Es gibt Regeln, und dann gibt es Ausnahmen. Um die Gewaltfreie Kommunikation in Hawaii bekanntzumachen, habe ich Kurse angeboten, die die Unkosten deckten. Und ich bin in den Anfängen jährlich in die Schweiz und nach Deutschland zurückgereist, wo Freundinnen und befreundete Organisationen Kurse für mich organisierten. Das half mir in den ersten paar Jahren.

Nach Heirat Aufenthaltsbewilligung als “Ausserirdische”

2003 versuchte ich, wie üblich, mein 6-monatiges Besuchsvisum zu verlängern. Viermal wurde mir das genehmigt, das fünfte Mal nicht mehr. Auf Anraten eines Anwalts heirateten wir. Es dauerte eineinhalb Jahre bis ich meine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Nun bin ich seit 2004 ein “Alien Resident”, d.h. eine fremde Bewohnerin (in der amerikanischen Sprache werden die Wesen von anderen Planeten “Aliens” genannt!). Ich darf Geld verdienen und Einkommenssteuern bezahlen. Im Unterschied zur Schweiz, muss ich auch Gewerbesteuer bezahlen, weil ich selbständig tätig bin. Ohne die Hilfe meines Mannes, hätte ich all diese “Amtshandlungen” nicht so gut überstanden.

Mangel prägt öffentliche Schulen

Sobald ich die Aufenthaltsbewilligung hatte, hat sich meine Arbeit vervielfältigt. Ich unterrichte an Privatschulen, von denen es wesentlich mehr gibt als in der Schweiz. Viele Eltern, die ich kenne, wollen die öffentlichen Schulen ihren Kindern nicht zumuten. Das Klima an den Staatsschulen ist von Mangel gekennzeichnet: zweitniedrigster Lohn aller Lehrenden in den USA; Kürzungen der Fächer wie Turnen, Musik, künstlerischer Ausdruck (in meiner Zeit “Malen und Zeichnen” genannt); viel zu grosse Klassen mit überforderten LehrerInnen und Schulgebäude, die den heutigen Anforderungen nicht genügen. Viele hawaiische Kinder bringen Erfahrungen von Gewalt von zuhause mit in die Schule und beeinflussen das Klima in den Klassen. Viele Leute aller Schichten kommen auf mich zu, und wollen Trainings besuchen, die ich regelmässig gebe. So kommt es, dass ich auf vier Inseln Kurse gebe und ein Netzwerk mit weiteren TrainerInnen vom Festland aufgebaut habe, die zusätzliche Impulse bringen.

Zu viel Bier auf Hawaii

Mein letztes grosses Projekt, das noch keine richtige Form angenommen hat, wird die Arbeit in den Gefängnissen sein. Die Gewaltfreie Kommunikation wird in vielen Gefängnissen der ganzen westlichen Welt und zunehmend auch in Südamerika gelehrt. Also stehen uns Erfahrungen zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk möchte unser Netzwerk auf die Familien der Insassen richten. Gewalt nach Alkohol- und Drogenkonsum sind die häufigsten Gründe, warum Männer und Frauen im Gefängnis landen. Die Kinder tragen die Folgen mit. Es gibt viel zu tun und es ist nicht leicht, Eingang ins “Justizsystem” zu finden.

Tauschhandel lässt alle strahlen

Zum Abschluss dieses Themas möchte ich noch anfügen, dass ich viel mit Einzelnen und Paaren arbeite. Das hoffe ich solange tun zu können, wie es mir meine Gesundheit erlaubt. Viele können nichts bezahlen, weil sie ums Überleben kämpfen. Also machen wir einen “Deal”: eine Beratungssitzung ist soviel wie eine Stunde Hausreinigen oder eine Stunde Mithilfe auf dem grossen Stück Land. Letzte Woche habe ich sogar mit einer Frau zusammen geputzt und unsere Beratungsitzung hatte zum Resultat, das die etwas vom Schimmel angegraute Decke wieder weiss strahlte und die Frau und ich auch. Sie fühlte sich erleichtert und hat Klarheit für sich gekriegt und ich war froh, dass ich trotz Schrubben meine Ohren und mein Herz offen halten konnte.

Weiterführende Links 
Gewaltfreie Kommunikation
Auszeit oder gleich ganz aussteigen?

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Kommentare

  1. Catherine Beuret

    24.09.2008 12:48

    Liebe Frau Morf, Ihr Beitrag zur gewaltfreien Kommunikation hat mich sehr berührt. Normalerweise gehören für mich solche Themen in die Kategorie Soft-Gesäusel mit fraglichem Nutzen. In Ihrem Fall habe ich nun meine Meinung geändert. Ich glaube auf Ihre Weise leisten Sie der Welt einen wichtigen Dienst. Der undogmatische, praxisorientierte Ansatz Ihrer Arbeit ist sicher ein wichtiger Erfolgsfaktor.
    Weiterhin alles Gute wünscht, Catherine Beuret