Ueli Bugmann
  2008 mit Miriam nach Argentinien ausgewandert.

(386) Reise nach Misiones

Wir sind zu einer Hochzeit und an einen 15. Geburtstag in der Provinz Misiones (im Nord-Osten von Argentinien) eingeladen. Nachdem wir mit etwas Glück in der Nachbarschaft eine junge Studentin gefunden haben, die auf unsere Tiere und auf das Haus aufpasst, können wir aufatmen. Natascha hat schon viel auf dieses Haus aufgepasst, ist mit der Heizung und sonstigen Macken vertraut und sehr tierliebend. Es ist auch hier nicht ratsam, ein Haus mit geschlossene Fensterläden unbewohnt zu lassen. Das zieht Einbrecher an wie der Honig die Wespen.

Kaffee und Gipfeli - das wäre jetzt genau richtig

Also fahren wir beruhigt am 9. März um 6 Uhr los. Es ist noch dunkel, nur ein heller Streifen zeichnet sich am Horizont ab. Die letzten Sterne am Himmel verblassen allmählich. Als erstes tanken wir im sechs km entfernten Bariloche unser Auto voll. Eigentlich möchten wir an der Tankstelle ACA (Automobil Club Argentino) unseren Tag mit Kaffee und Gipfeli - also café con media lunas - beginnen. Aber der Bäcker steht nicht so früh auf, schon gar nicht an einem heiligen Sonntag…

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Ueli vor einer Tankstelle der empfohlenen ACA-Kette
(Bild: Ueli Bugmann
)

Sauber, rein? Mit ACA ist es rein

ACA ist eine nützliche Einrichtung für Autofahrer auf Reisen. Immer sauberes, ich meine reines Benzin (manchmal werden aus 100 Liter gerne 130 Liter gestreckt, was der Motor nicht gerne mag). Hier ist man sicher. Saubere WC’s, was nicht überall selbstverständlich ist, ein kleiner Kiosk, Imbiss - manchmal mit Restaurant - 24 Stunden geöffnet, Grünflächen mit Bäumen, die Schatten spenden, Kinderspielplatz und an manchen Stellen ein paar Grills, um sich selber etwas zu braten. Auch gibt es gemütliche Motels, in denen man als Mitglied günstig und sauber übernachten kann. Meistens sind die ACA-Tankstellen so gelegen, dass man sie mit einer Tankfüllung erreicht. Ausserhalb der besiedelten Gebiete ist es dennoch ratsam, immer gleich aufzutanken, sobald man Gasoil bekommt!
Also: Nach einem feinen heissen Kafee geht es weiter Richtung Neuquén (die Hauptstadt der Provinz Neuquén). Die Strassenpolizei winkt uns müde durch und auch die Polizei der Provinz Neuquén empfängt uns mit einem Gähnen und lässt uns durch die Strassensperre. Entlang dem Rio Limay geht die Fahrt weiter.

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Blick zurück nach Bariloche. Im Hintergrund die chilenischen und
die argentinischen Anden (Bild: Ueli Bugmann)

An einem Aussichtspunkt blicken wir nach Bariloche zurück: Unsere Heimatstadt schläft noch immer, nur die Strassenbeleuchtung brennt, aber die Berge werden langsam vom Morgenrot erfasst.

Hilfsbereite Lastwagenfahrer

Weiter fahren wir eine kurvenreiche Bergstrecke, auf der man mit plötzlich auftretenden Nebelbänken und Glatteisbildung rechnen muss. Einzelne Lastwagen begegnen uns, manchmal muss man bergauf mühsam hinter ihnen herschleichen, bis man mal eine Strecke zum Überholen findet. Die Lastwagenfahrer sind aber sehr kooperativ. Sie kennen die Strecke praktisch auswendig, und da sie höher als ein PW sind, haben sie den bessern Überblick über den entgegenkommenden Verkehr. Wenn sie nach rechts blinken, heisst es “Gas geben und überholen”. Nachdem Einspuren bedanken wir uns mit unserem Warnblinker, der wiederum vom Lastwagen mit dem Scheinwerfer quittiert wird. Bei Blinker links sollte man ja nicht überholen, denn dann kommt einem ein Fahrzeug entgegen.

Mate trinken und endlich media lunas essen

Langsam wird es heller, die Berggipfel werden von der Sonne beleuchtet. Wir fahren an diverse Stauseen, Forellenzuchtstationen und riesigen Aufforstungen vorbei. In Confluencia, wo der Rio Limay und der Rio Neuquén zusammenfliessen, wollen wir nun endlich unsere media lunas essen. Da auch dieses Restaurant noch geschlossen ist, verspeisen wir ein mitgebrachtes Sandwich und fangen an, Mate zu trinken. Pro Tag bringen wir es auf mindestens vier Thermoflaschen à 1 1/2 Liter heisses Wasser! Der Beifahrer füllt immer wieder den mit Matetee gefüllten Porongo mit heissem Wasser auf. Und so nuckeln wir abwechlungsweise am Saugrohr (bombilla). Das hält einen schön wach und man ist nebenbei beschäftigt. Weiter fahren wir durch eine Landschaft, die immer karger wird. Halt in einer langgezogenen Ortschaft, Piedra del Aguila. Dort leben haupsächlich Leute, die im Kraftwerk des hiesigen Stausees beschäftigt sind oder auch Bergleute und Estancieros (Bauern) mit Viehwirtschaft. Endlich finden wir ein ACA, natürlich mit Restaurant und diesmal mit schönen, frischen und knusprigen media lunas.

Birnen von hier landen in Europas Supermärkten

Frisch gestärkt fahren wir weiter. Langsam öffnet sich das Valle del Rio Negro. Dieses Tal ist sehr fruchtbar. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Himbeeren, Brombeeren und andere Früchte gedeihen dank der Bewässerung vom Rio Negro wundervoll. Es wird viel in die EU exportiert. Wenn man in Europa Äpfel oder Birnen kauft, sind sicherlich manchmal auch Früchte aus dem Rio Negro darunter.

Vorbei geht es jetzt an einer Ortschaft namens Plottier. Der Name lässt es erahnen: Franzosen haben sich hier niedergelassen. Und schon sind wir in Neuquén. Dort müssen wir das Auto zum ersten Mal auftanken. Wir sind ganz erstaunt, wie warm es inzwischen ist: 29 Grad im Schatten, und das um elf Uhr morgens. Schnell die Sommerkluft angelegt, warme Jacken verstaut und weiter geht es dem Rio Negro entlang an vielen Verkaufsständen vorbei, an denen man direkt vom Erzeuger frische oder eingelegte Früchte, selbstgemachte Würste und Käse, Zwiebeln, Knoblauch usw. kaufen kann. (Fortsetzung folgt).

Weiterführende Links
Provinz Misiones 
Provinz Neuquén

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5 Kommentare

Kommentare

  1. Beat Keller

    28.06.2009 0:18

    Hola Ueli y Miriam,
    das freut mich sehr, dass Du nochmals aus Argentinien berichtest und welcher Zufall ist das, gerade heute las ich in einem Vinum vom 5.1985? einen Bericht über die Weinbaugebiete in Mendoza, Argentinien und bemerkte da Fotos mit dem Namen Ueli Bugmann. Natürlich sah ich nochmals in Deinen letzten Blog rein und siehe da, Du bist das sicher?
    Als Weinfreund interessiert es mich, ob Du die Weinanbaugebiete Mendoza und San Juan kennst.
    Und ich freue mich auf weitere Berichte.

    Beat Keller, Lima

  2. Catherine Beuret

    28.06.2009 6:31

    Vielen Dank für das Foto der wunderschönen Landschaft.

    Herzlich Grüsse aus dem Charolais (Frankreich)

  3. Ueli Bugmann

    05.07.2009 23:16

    Hallo Beat

    Unglaublich, so vergeht die Zeit. Es stimmt, diesen Bericht habe ich recherchiert und die Fotos gemacht, beim Text hat mir jemand aus der Redaktion Vinum geholfen…
    Ja, diese Gegend kenne ich recht gut. Damals war Argentinien ein Weinproduzent von “Masse”, erst in der letzten Zeit legen sie grossen Wert auf “Klasse”. Sicherlich war der Ansporn da, weil in Chile immer mehr Spitzenweine hergestellt wurden. Jetzt gibt es in Argentinien Spitzenweine, die sich in aller Welt sehen lassen können. Leider haben sich auch viele renommierte Namen aus Frankreich hier mit Ländereien eingedeckt und produzieren Spitzenweine.
    Die Provinzen Mendoza und San Juan liegen Punkto Qualität an ersten Stelle, aber auch in der Provinz Salta ist ein grosser Produzent. Dort hat sich die Traube Torrontes (Weisswein) einen grossen Namen gemacht. Kleinere Mengen werden in den Provinzen Catamarca und La Rioja produziert. Gross im Kommen ist die Provinz Rio Negro (Nordpatagonien). Von dort werde ich noch in einem Bericht im Careguide-Blog schreiben: von einer alt eingesessenen italienischen Familie, welche absolute Spitzenweine herstellt! Etwas Geduld, er erscheint sicherlich im Bericht von unserer Rückreise von Misiones…
    Eins ist sicher: Bestellt man in einem Restaurant “vino de la casa”, fährt man immer auf Nummer sicher. Meistens wird er gemischt mit “Soda” und “Eiswürfel”getrunken, da er manchmal recht stark ist und wegen der Hitze nicht gleich den Weg nach “Oben” nimmt. Eine Unsitte ist es, den Wein im Restaurant - eventuell noch neben dem Holzgrill - zu lagern, wo es eindeutig zu warm ist. Aber keine Angst, es wird immer mehr Wert auf sachgerechtes Lagern gelegt, denn manchmal spielt die Aussentemperatur ein Streich…
    Das Thema ist so gross und umfangreich, am besten besorgt man sich ein Fachbuch über den Argentinischen Wein, die gibt es in rauhen Mengen.
    Aber am allerbesten ist es, mal eine Reise in die genannten Provinzen zu machen und alles anzuschauen, zu probieren, aber ACHTUNG: Auf den Strassen ist man sehr streng mit Alkohol am Steuer. 0,5 % ist die Regel.
    Lieben Gruss
    Miriam und Ueli

    Nachlesen in
    http://es.wikipedia.org/wiki/Viticultura oder http://www.inv.gov.ar/est_varios.php?que=var_vitiv http://www.clubvinoargentina.com/tipos-de-vino-variedades-uvas.asp

  4. Pia Jaeger

    11.07.2011 11:46

    Huhuuuuuu!
    ja wie so eine Lebenszeit vergeht und sich in alle Richtungen verdreht…. Heute habe ich in meinen alten Sachen gewühlt und deine Adresse gefunden! Wollte wissen was so läuft und nun weiss ich, dass Du in deinem geliebten Argentinien bist.
    Das freut mich sehr!
    Und dann wollte ich dich fragen, was annno dazumal eine NIKON F3 wert war……. mit allem drum und dran (Objektive ect.) Anyway, ich wünsche euch eine wunderbare Zeit dort und vielleicht höre ich etwas, die Pia von dazumal (schweizerfamilie)