Elisabeth Hilfiker
  2002 nach Apulien (ITA) ausgewandert.

(370) Loslassen, und los gehts!

26. Januar 2002. Jetzt bin ich offizielle AHV-Rentnerin, aber noch weit entfernt vom Müssiggang. Die Arbeit war mir lieb und wichtig und trotzdem bereitet mir das Loslassen, mindestens momentan, keine Mühe!

Schauspiel und Klavier ade…

Nur die Zielsetzung hat sich etwas verändert: Ich hatte vorgesehen, nach der Pensionierung eine Schauspielschule für ältere Menschen zu besuchen - stattdessen bin ich mit hilfsbereiten Freundinnen und Freunden am Bücher erlesen, Geschirr verpacken… Das kleine Haus füllt sich mit sperrigen Umzugsschachteln, mit in Einzelteile zerlegten Möbeln, Bilderkartons etc. etc.
Ohrenbetäubender Motorenlärm lässt uns aufschrecken: Es ist der riesige Kran einer Firma für spezielle Transporteinsätze. In meinem Fall geht es um das Klavier, von welchem ich mich nun trennen muss. Es steht in meinem Arbeitsraum im 1. Stock, zu gross, um es über die enge Treppe, welche einer Hühnerleiter nicht unähnlich ist, hinuntertragen zu können. Der Kranwagen steht nun auf der kleinen Zufahrtsstrasse vor dem Gartenzaun, fährt seinen Lastenarm aus, tastet sich behutsam vor, über hohe Birken und Gartenbeete, über das idyllische Bächlein mit seiner Holzbrücke, bis hinauf zu meinem Arbeitszimmer. Kräftige Männerarme stemmen das Klavier zum Fenster hoch. Es ist zu schmal! In Windeseile reissen wir die Fensterrahmen heraus und schon baumelt das Piano geschützt mit einem Umhang, ähnlich denjenigen wie die Rennpferde sie tragen, an den kräftigen Haken des langen Kranarmes. Dank millimetergenauer Präzisionsarbeit entschwindet mein liebes, altes Instrument durchs Fenster, über die kleine Brücke, die Gartenbeete und die hohen Birken.

…dafür noch zwei Häuschen fürs Haus

Am 1. Mai ist alles manierlich verpackt und beschriftet mit Inhaltsangaben für den Zoll. Der Transporter der Speditionsfirma aus einer Nachbargemeinde kommt pünktlich um 06.00 Uhr zum Verladen meiner Besitztümer.

Am Schluss ist noch etwas Platz frei im dunkeln Innern des Lasters. Die Umzugsmänner entdecken meine beiden Hühnerhäuser, die verwaist im Hof stehen. „Die laden wir auf. Wirst noch froh sein darüber! Die da unten können doch keine anständigen Hühnerställe zimmern!” Tia, wenn die das so sehen… Dann machen sie sich auf den langen Weg in den Süden. Meine Helferinnen und Helfer bewaffnen sich mit Bürsten und Besen, Eimern und Lappen. Da wird geschrubbt und gefegt, bis alles spiegelblank ist. So sauber war es noch nie!

Bei Sonnenaufgang mit prächtigstem Morgenrot werde ich von einem Freund abgeholt.

Ein grosser Kloss sitzt tief in meinem Hals.

Auf geht’s in neue Gefilde!

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39 Kommentare

Kommentare

  1. Rene' Ringger

    26.05.2009 14:09

    Hallo Elisabeth
    Erst trafen wir uns auf einem Ausflug in der Puglia, dann im Zug von Milano bis Zürich und jezt im Blog von careguide…wann treffen wir uns bei mir, nur ca. 10 Km Luftlinie entfernt.
    Rene’ und Frau aus dem Schweizerverein Salento