Fritz und Loredana Huber-Galli
  Seit 2008 in den Marken (ITA)

(249) Hausbau im Regen

Beim Hauskauf ist die italienische Staatsbürgerschaft ein Vorteil - geringere Steuern, Berechtigung zum uneingeschränkten Immobilienerwerb. Eher zufälligerweise hatte ich sie erworben - eigentlich hatte ich sie beantragt für die Kinder. Loredana besass sie bereits von Geburt an. Nach dem Notariatsvertrag wussten wir: Innerhalb von drei Jahren mussten wir den Umbau oder den Hausbau beginnen.

Renovation oder Neubau

Wir lösten an den Wänden Verputzteile, um uns über die Mauerqualität ein Bild zu machen. Die Restauration des bestehenden Gebäudes wäre kostenmässig schwierig abzuschätzen gewesen. Bauunternehmer empfahlen uns den Abriss. Um für unsere Gäste eine zeitgemässe Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und eine höhere Wertbeständigkeit zu erreichen, entschlossen wir uns für einen Neubau - jedoch mit möglichst vielen Materialien aus dem Altbau.

Wir erstellten Pläne, rodeten das Land und pflanzten Fruchtbäume. Aprikosen, Feigen, Pfirsiche, Oliven, Kirschen, Pflaumen und Zwetschgen.

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Roden und Feige(n) pflanzen (Bild: Fritz Huber)

Viel Zeit nahmen wir uns für die Wahl des Bauunternehmers. Immerhin waren wir weiter in der Schweiz tätig und einen Hausbau in Italien von der Schweiz aus zu koordinieren: eine echte Herausforderung!

Von vornherein war die umfassende Betreuung durch die Architektin matchentscheidend. Immer wieder war auch die Unterstützung durch Freunde und Verwandte äusserst hilfreich.

Regen und Schnee bremsen Baufortschritt

Vielleicht regnete es im Jahre 2003 einfach zu wenig - jedenfalls wurde dies in den folgenden Monaten mehr als kompensiert. Die sonst seltenen Schneefälle - natürlich genau in dieser Periode keine Seltenheit! So gab es immer wieder “Kunstpausen” beim Bau.

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Schnee liegt über den Marken (Bild: Fritz Huber)

Anfänglich konnten wir dem Baufortschritt noch etwas in Ruhe entgegenschauen. Doch schon bald häuften sich die Termine. Der Aufenthalt war jeweils vollgepflastert mit Terminen bei der Architektin, dem Bauunternehmer, Elektriker, Schreiner und Sanitärinstallateur. Zum Glück erledigte für uns die Architektin alle Kontakte mit den Behörden. Jedoch baldige Ernüchterung bei den Termineinhaltungen. Schnell war uns klar: Eigenleistungen während dem Bau wären unrealistisch.

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Selber Bauen heisst “dran bleiben” (Bild: Fritz Huber)

Warum nicht ein Kamin mitten durchs Schlafzimmer?

Es gab auch Pannen. Irgendwie hatten wir aber immer wieder das Glück, vor eklatanten Fehlentscheidungen gerade anwesend zu sein.

So waren wir gerade anwesend, als Loredana mitten auf dem Schlafzimmerfussboden einen seltsam roten Kreis entdeckte. Was bedeutete dies? Über dem Wohnzimmer mit offenem Treppenaufgang befindet sich unser Schlafzimmer. Um im Winter nebst Zentralheizung die Wärme optimal auszunützen, bestellten wir einen Schwedenofen und planten, diesen in der Wohnzimmerecke zu platzieren. Das Kaminrohr zur Wärmeabgabe durch das Schlafzimmer, natürlich ebenfalls in der Ecke des Raumes. Hätte Loredana diesen Kreis nicht entdeckt - wenige Stunden später wäre das Loch durch die Decke mitten im Wohnraum bzw. Schlafzimmerboden gebohrt worden!

Eigeninitiativen des Bauherrn, Koordination durch die Architektin und nicht zuletzt unsere Flexibilität, Abweichungen zu akzeptieren, führten schlussendlich zu einem glücklichen Ende. Nachträglich, und im Vergleich mit anderen Objekten (selbst bei Baurealisierungen in der Schweiz) müssen wir feststellen, dass das Projekt Hausbau gelungen ist. Jedoch war eine rigorose Kostenplanung und deren kontinuierliche Ueberwachung von ausschlaggebender Bedeutung.

Einzug auf nassen Platten

Eigentlich hatten wir wir genügend Zeit für den Hausbau eingeplant. Doch selbst dieser grosszüge Zeitrahmen wurde überschritten! Nachdem das Haus schon fast bezugsbereit war, kam eine Spezialfirma zum Abschleifen der Tonplatten. Eine gute Sache, wie sich nachträglich herausstellte. Pflegeleicht und schön. Doch haben wir nie herausgefunden, mit wie viel Wasser der Schleifvorgang verbunden war. Im noch baufeuchten Haus und bei dem regnerischen Wetter dauerte es unendlich lang, bis der Boden schliesslich benutzbar war. Unser ältester Sohn, der mit seiner Familie das Haus anfänglich bewohnte, musste diesbezüglich manche Improvisationen vornehmen.

Im nächsten Blog: Casa del Sole und die Entscheidung Frühpensionierung

3784 Kommentare

Kommentare

  1. 10.10.2008 10:25

    Liebe Loredana, lieber Fritz,
    das waren ja abenteuerliche Erlebnisse!!! Gut, habt ihr durchgehalten und habt jetzt ein so wunderschönes Haus. Wir kommen immer wieder gerne zu euch in die schönen Marken!