Fritz und Loredana Huber-Galli
  Seit 2008 in den Marken (ITA)

(248) Fruchtbäume und Meer

Jeden Morgen ein Genuss: den Tisch an einem neuen Ort im Garten zu platzieren und bei angenehmen Temperaturen unter Bäumen zu frühstücken. Die weite, offene Landschaft bis tief in den Apennin - sie bietet dazu immer wieder neue, spannende Kulissen.

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Blick in die “kleine Toscana” (Bild: Fritz Huber-Galli)

Seit Ende April leben wir hier in Carignano bei Fano in den Marken, in Italien. Das Gebiet wird oft als die “kleine Toscana” bezeichnet. Eher unbekannt die offizielle Bezeichnung der Provinz “Marche”. Schon geläufiger sind die nördlichen Nachbarregionen mit San Marino oder Rimini.

Ein Spontanentscheid und doch kein Zufall

Seit 1975 fuhren wir - ausser während den gut vier Jahren die wir in Afrika lebten - jährlich zwei, drei Mal nach Pesaro. Nun, Loredana stammt ursprünglich aus dieser Gegend, und unsere Fahrten dorthin war die Fortführung ihrer jährlichen Fahrten in die Sommerferien mit den Eltern in das Heimatland und zu den Verwandten. Die weiten Strände und das mediterrane Klima begeisterten uns und die Kinder alljährlich neu.

Im Sommer 2000 machten wir ein paar Tage Ferien ohne Kinder in Pesaro. Wunderbares Wetter, warmes Meer - diese Ferienstimmung und das tolle Ambiente brachten uns auf die tolle, aber auch etwas verrückte Idee für einen Neustart in dieser Gegend. Eigentlich kannten wir das Gebiet und die Leute schon gut. Gleichzeitig zeichnete sich in der Schweiz am Arbeitsplatz zusehends ein Wandel ab: Andauernde Reorganisationen liessen an der längerfristigen Kontinuität des Arbeitsplatzes zweifeln. Mit 50 war ich zu jung, um pensioniert zu werden - in einem kritischen Alter bei einem Stellenverlust.

Fakten schaffen: Ein Haus kaufen

Wir spielten gedanklich diverse Umsetzungsmöglichkeiten durch. Daneben freuten wir uns, einmal die verschiedensten Früchte von eigenen Bäumen ernten zu können. Gleichzeitig waren unsere ersten Gedanken natürlich auch mit unseren drei Kinder in der Schweiz verbunden. Werden wir sie oder sie uns zu stark vermissen? Wenige Jahre fehlten, bis die Ausbildung unserer jüngsten Tochter abgeschlossen war. Wir beschlossen, die Idee mit dem Kauf einer Immobilie zu starten.

Zu Hause informierten wir uns anhand von Publikationen und Empfehlungen über die spezifischen Eigenheiten beim Kauf und Besitz einer italienischen Immobilie. Ein Fachbuch einer deutschen Juristin in Mailand half entscheidend. Bücher von Engländerinnen und Deutschen über ihre Erfahrungen beim Immobilienkauf in Italien liessen viel Unerwartetes erahnen. Viel Unterhaltsames und auch zur Vorsicht Mahnendes. Rückblickend: Die Umsetzung des Hausbaues war verbunden mit einer Fülle von unerwarteten Problemen, jedoch immer wieder individuell und unterschiedlich zum bisher gehörten. Hier in Italien liessen wir uns einige Tipps von einem Verwandten mit Eigenerfahrung geben: Sein entscheidender Ratschlag: alles, aber auch alles nochmals zu hinterfragen!

Berge und Meer - was will man mehr?

Zwei Fahrten zu verschiedenen Objekten mit einem deutschen Immobilienvermittler gaben uns einige erste Eindrücke. Wir wollten ein altes Bauernhaus oder ein Objekt kaufen und neu erstellen lassen. Über einen Freund in der Gegend kamen wir in Kontakt mit einer lokalen Architektin. Ein Foto eines alten Bauernhauses war spontan unser Lieblingsobjekt - hübsch in die Hügel eingebettet, ruhig und nicht zu weit entfernt vom Meer und von den Bergen !

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Ein altes Bauernhaus - Liebe auf den ersten Blick
(Bild: Fritz Huber-Galli)

Mehrmals fuhren wir während unserem Aufenthalt zu “unserem” Lieblingsobjekt. Das Haus auf knapp 2′500 m² Gelände, inmitten von Akazien und Brombeerstauden. Vor dem Haus ein Ziehbrunnen. Die Leitungen führten noch ins Obergeschoss in einen Reservetank für die Tränken der Tiere im Stall.

Zähigkeit in den Verhandlungen zahlte sich aus

Bereits die Kaufsverhandlungen mit dem bisherigen Eigentümer und der Eigentumsübertrag hätten für ein unterhaltsames Buch gereicht. Beruf und Stellung des bisherigen Eigentümers gaben uns die Sicherheit, dass mit dem Kauf keine versteckten Mängel verbunden waren. Er war jedoch ein gewiefter Verkaufstaktiker. Für uns jeweils nach den Hinfahrten aus der Schweiz und schon recht müde, waren diese lateinischen Verhandlungen oft mit erheblichem Stress verbunden. Trotzdem. Es wäre für uns auch undenkbar gewesen, diesen Prozess an Drittpersonen zu übertragen und schlussendlich waren wir Stolz, das Haus und den Umschwung zu einem guten Preis erworben zu haben (dieser war damals noch in Lira zu zahlen und der Kurs günstiger als heute).

Im nächsten Blog berichten wir über den Hausbau und die besonderen klimatischen Verhältnisse während dieser Zeit.

Weiterführende Links
Pesaro
Fano in den Marken

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