Christa Morf
  Seit 1998 auf Hawaii (USA)

(247) Touristen-Ebbe auf Maui

Maui wurde zum Ferienparadies in Hawaii erkoren. Das war eine politische Entscheidung - so, wie Honolulu zur Regierungs- und Geschäftsmetropole ausgewählt wurde. Ich kann leider die Jahreszahlen nicht benennen, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit  war es in den sechziger Jahren, nachdem Hawaii zum Mitgliedstaat der USA wurde.

Nachfrage vor allem im Luxussegment

Diese Entwicklung hat Investoren angelockt, und den Charakter der Insel Maui tief greifend verändert. Die Grossgrundbesitzer verfügten über das Land, das sie einst von den hawaiianischen Königen “gekauft” haben. Und verkauften dieses Land an die grossen Hotelketten der USA und Bauunternehmungen für Ferienwohnungen. Es wurde und wird noch gebaut; jetzt mehr Luxuswohnungen, was dem Geschmack der heutigen KäuferInnen entspricht.

Der Traum vom Tropenparadies ist auch in der Landschafts- und Gartenarchitektur verwirklicht. Ich geniesse es, unter grossen Bäumen durch die Alleen zu fahren, die blühenden Büsche entlang der Strasse und die weiten hügeligen Flächen der Golfplätze anzusehen.

Begehrte Arbeitsplätze im Tourismus

Die Arbeitsplätze in der “Besuchsindustrie” (wörtliche Übersetzung der “Visitor Industry”) sind begehrt. Viele meiner FreundInnen arbeiten als ausgebildete Masseurinnen und Masseure entweder in den hoteleigenen Bädern oder in Massagepraxen, die mit den Hotels zusammenarbeiten. Die einheimische Bevölkerung kann sich in der staatlichen Erwachsenenbildung in allen möglichen Bereichen der Besuchsindustrie ausbilden lassen.

Die Besuchszahlen waren gut bis zum Frühjahr, bevor sich plötzlich die Flugpreise fast verdoppelten. Da wurde uns allen bewusst, wie wackelig diese “Industrie” ist und wie viel daran hängt. Läden wurden geschlossen, Restaurants versuchen, mit weniger Personal auszukommen, die Hotels empfehlen ihren Masseurinnen und Masseuren im Frühherbst ihre Ferien zu nehmen, befreundete Geschäftsleute sprechen von 25 Prozent weniger Umsatz. Sie versuchen, durch Webseiten, die Nachfrage auf dem Festland oder im Ausland anzukurbeln.

Immobilienpreise auf Hawaii explodiert

Eine weiterer Schock sind die Hauspreise. In den letzten zehn Jahren haben sich diese verdreifacht! Es wurde für Leute von hier, die ihr Leben durch Arbeiten verdienen, unmöglich, sich ein Familienheim zu kaufen. Das hat zu einer zunehmenden Unzufriedenheit und Ressentiments gegenüber den “reichen Weissen” geführt. Der soziale Wohnungsbau war total überfordert mit der Nachfrage. Und ganze Familien verloren ihr Heim, weil sie die Mietpreise nicht mehr bezahlen konnten. Sie halfen sich, indem sie am Strand in Zelten wohnten. Trotz der Tatsache, dass beide Elternteile arbeiteten, hatten sie nicht genügend Einkommen, um diese Mietpreise zu bezahlen.

Strand gehört noch allen

Gottseidank ist der Strand Gemeinschaftsbesitz. Kein Privatbesitz. Ein Stück des alten Hawaiis. Als Boden kein Handelsgut war. Es gibt Bestrebungen innerhalb von Hawaii, die Souveränität wieder herzustellen und eine Nation Hawaii zu bilden. Vorläufig ist es eine Vision weniger Leute. Sie geben nicht auf.

Ich hoffe, mit meinen Beiträgen, einen Einblick in weniger bekannte Seiten Hawaiis gegeben zu haben und übergebe hiermit die Stafette an Fritz und Loredana Huber-Galli in Italien.

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