Christa Morf
  Seit 1998 auf Hawaii (USA)

(243) Leibesübungen und Selbstverantwortung

Als Schweizerin war ich es gewohnt, eine Krankenversicherung zu haben. Als Ausländerin habe ich gelernt, damit zu leben, dass ich keine Krankenversicherung habe. Ich bin im Zwiespalt und würde es vorziehen, versichert zu sein.

Nicht jeder, der möchte, kommt rein

Ich werde in absehbarer Zeit in die staatliche Versicherungskasse “Medicare” aufgenommen. Dazu muss ich eine bestimmte Punktzahl erreichen, die ich durch die Höhe meiner Steuereinzahlungen beeinflusse. Mein Arbeitsgebiet zeichnet sich nicht durch hohe Honorare aus!
Nicht versichert zu sein ist ein Zustand, den ich mit vielen AmerikanerInnen teile. Hier in Hawaii übernimmt der Staat die Kosten für den Krankenhausaufenthalt, wenn das Einkommen nicht reicht. Mein Mann ist bereits bei Medicare versichert und hat darüber hinaus eine Spital-Zusatzversicherung abgeschlossen.

Alternativmedizin kombiniert mit pragmatischem Hausarzt

Wir beide sorgen für unsere Gesundheit, indem wir 14-täglich zum Chiropraktiker gehen, täglich ein paar Atem-Körperübungen machen, im allgemeinen gesund essen und versuchen, genügend Wasser zu trinken. Wir haben eine Ärztin für chinesische Medizin, die uns mit Akupunktur unterstützt, wenn uns der Körper zu schaffen macht. Sie praktiziert die chinesische Kunst, durch Pulsfühlen die Funktion unsere Organe zu prüfen. Und schliesslich haben wir einen Hausarzt, zu dem wir in «Notfällen» gehen. Er zieht es vor, ein viel niedrigeres Honorar zu verlangen, wenn seine Gehilfin sich dafür nicht mit Versicherungspapieren herumschlagen muss. Akupunktur und Chiropraktiker zahlt Medicare nicht. Private Versicherungsinstitute haben aber Zusatzversicherungen für alternative Behandlungsmethoden.

Hauptrisiko Infektionen

Das häufigste Risiko für uns sind kleine Verletzungen, die beim Arbeiten auf dem Land fast nicht zu vermeiden sind. Mein Mann hat gelernt, dass er auch kleine Kratzer mit Desinfektionsmittel behandeln muss, seit er vor etwa 5 Jahren ein regelrechte Staph-Infektion kriegte. In den Tropen entzünden sich offenbar auch kleine Wunden sehr schnell. Seine Infektion wurde innert zwei Tagen im ganzen Körper verteilt (systemic) und er musste sehr starke Antibiotika nehmen.

Sich als Unversicherte “outen” fällt nicht leicht

Was ich hier an unserem Beispiel zeige, ist sehr typisch für viele unserer Freunde hier in Maui. Es ist aber nicht typisch für die “Kinder”(54, 50, 45 und 41 Jahre alt) meines Mannes. Sie alle sind krankenversichert und haben darauf bestanden, dass ihr Vater eine Spitalzusatzversicherung abschliesst! Sie leben alle auf dem Festland, sind entweder angestellt oder selbständig mit Familien.
Ich lebe mit dem Risiko des Nicht-Versichertseins. Es fällt mir nicht leicht, das in diesem Beitrag hier einfach so zu schreiben. Es gibt da so innere Stimmen, die sagen: “Das ist unverantwortlich, nicht für sich zu sorgen. Wo kämen wir da hin, wenn alle so
handeln würden?” Das einzige, das ich darauf entgegnen kann, ist meine Erfahrung, dass ich vertrauen kann. Dass, wenn nötig, sich eine Lösung zeigen wird.

 

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