Christa Morf
  Seit 1998 auf Hawaii (USA)

(239) Leben im Paradies

Alle hawaiischen Inseln haben in klimatischer Hinsicht eines gemeinsam: Die Nord- und Ostseiten der Inseln haben viel Regen, die Süd- und Westseiten sind trocken und hauptsächlich Anziehungspunkte für Besucher. Die grossen Hotels sind deshalb aus guten Gründen auf der trockenen Seite. Und mit wenigen Ausnahmen auch die langen Strände, die in Reisebroschüren abgebildet sind.

Ohne Gartenschlauch kein Kihei

Ein älterer Hawaiianer sagte einmal ganz lapidar:  “Ohne Gartenschlauch gäbe es die ganze Ortschaft von Kihei nicht.” Kihei an der Südküste von Maui entwickelte sich in den letzten 45 Jahren aus einer steppenartigen Landschaft zu einer Küstenstadt mit Dutzenden von Hotels, zahlreichen Ferienappartements in mehrstöckigen Häusern entlang der Küste. Es ist ein Beispiel, wie Hawaiis Popularität die Inseln verändert. Mehr davon in einem späteren Blog.

Haus gesehen - und innert 24 Stunden gekauft

Unser Haus ist auf der Nordseite der Insel, ziemlich genau an der Grenze, an welcher der tropische Regenwald beginnt. 1997 hat mein Mann ein Grundstück von 2 amerikanischen Acres (etwa 64 mal 64 Meter) mit Haus erworben, ganz entgegen seiner damaligen Absicht. Er wollte lediglich etwas Ferien machen und seine Freunde und Freundinnen in Maui wiedersehen. Und dann zeigte ihm eine befreundete Grundstückmaklerin dieses Haus mit einem angebauten, 12-seitigen Raum. 24 Stunden später hatte er alle Formalitäten erledigt und das Haus gehörte ihm. Die Maklerin hatte in ihrer gesamten Karriere noch nie so etwas erlebt. Das war 9. Mai 1997.

Hausbesitzer sucht Mitbewohner(innen)

Genau ein Jahr später, am 9. Mai 1998, tauchte ich an einem Dank-Fest für alle seine Helfer und Helferinnen beim Hausräumen und -reinigen auf. Eine Freundin hatte mich “mitgeschleppt”. Sie wollte, dass ich dieses Haus kennenlerne: “Der Besitzer will das Haus mit anderen teilen. Allein macht es ihm keinen Spass. Das Haus wäre viel schöner als Deine jetzige Wohnung.” Ich leistete Widerstand. Meine Freundin liess nicht locker. Der Hausbesitzer hatte meine Freundin und ihren Mann vor ein paar Jahren verheiratet, und sie wollte, dass wir uns kennenlernen. Also gut. Ich ging mit und sah diesen fast runden Raum. Ich blieb wie angewurzelt stehen, weil der Raum eine unglaublich stille und fast sakrale Atmosphäre ausstrahlte. Ausserdem war er mit frischen Blumen geschmückt. Der Besitzer des Hauses kam und sagte: “Gehen Sie ruhig rein.” Und ich ging rein und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zwei Tage später besuchte ich den Besitzer und wir kamen überein, dass wir eine Wohngemeinschaft bilden wollten.

Im Garten Eden reift es ohne Unterbruch

Ich half mit im Garten und auf dem Land. Nach europäischem Massen ist unser Land etwas weniger als eine Hektare (0,820 Hektare). Das tönt nach nicht viel. Aber: Landbau in den Tropen ist ein ganz anderes Thema als im gemässigten Klima. Alles wächst ohne Unterbruch. Einige Fruchtbäume tragen das ganze Jahr, unabhängig von Jahreszeit: Bananen, Papaya, Avocado (verschiedene Sorten zu verschiedenen Zeiten) und Kokospalmen. Andere Fruchtbäume wie Zitronen, Grapefruit tragen so alle 7 Monate reife Früchte. Die Passionsfrucht, eine Schlingpflanze, trägt ab April bis Januar. Die Ananaspflanzen, eine Pflanze der Bromeliaden-Familie, reifen ab Juli bis Oktober - übrigens nicht auf Bäumen, wie viele meinen. Ausserdem essen wir tropische Beeren wie Poha-Berries, Surinam Cherries, Maulbeeren, alles von unserem Land.

Salat und Gemüse sind etwas Besonderes

Salat und Gemüse kaufen wir, wenn wir Lust auf etwas Besonderes haben. Im Garten haben wir mehrjährige Salate (ja, so etwas gibt es!)  z.B. Tahitischer Spinat, Okinawa Spinat, roter Hibiskus (die Blätter schmecken wie Sauerampfer, die Fruchtknoten werden als Karkadentee verkauft) und Katak oder Seropus (die Blätter haben den höchsten Proteingehalt aller essbaren Grünpflanzen). Bohnen, verschiedene Kürbisarten, Krautstiel, Ingwer und Curcuma oder Turmeric wachsen im Überfluss. Kräuter lassen uns nie im Stich. Kohlsorten kämpfen dafür mit vielen Schädlingen.

Wir leben fast auf Meereshöhe. Es ist manchmal während Wochen feucht, besonders in den “Wintermonaten”. Aber das Klima ist ein Thema, das ich gesondert beschreiben werde.

Weiterführende Links
Amerikanischen Acres  
Pflanzen auf Hawaii (Universität Hawaii, engl.)

 

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