Hildegard-Maria Bertschy
  Seit 2000 mit Ehemann Heinz an der Costa Blanca (ESP)

(223) Hilfe- oder pflegebedürftig in Spanien

Es gibt viele Menschen, die ihren Lebensabend im Süden verbringen und dabei nicht im Entferntesten an den Krankheitsfall denken. Es kommt dazu, dass sie die Landessprache nicht beherschen. Klar gibt es hier auch sehr gute deutschsprachige Ärzte, die man konsultieren kann. Das wird dann auch von den zuständigen Krankenkassen der Heimatländer bezahlt - aber nur, wenn es ein Notfall ist.

Aus der Praxis

Wenn sich aber finanziell nicht auf Rosen gebettete Langzeiturlauber regelmässig ärztlichen Kontrollen unterziehen müssen, wie zum Beispiel bei Diabetes oder Blutuntersuchungen, wenn sie Tabletten oder Pflegeartikel wie Inkontinenzeinlagen usw. benötigen, ist Einfallsreichtum gefragt. Bei der langjährigen Begleitung von Auswanderern habe ich ein paar hilfreiche Erfahrungen gesammelt, die ich im Folgenden vorstelle.

Ist eine Person Rentner (Pensionista) und kann das nachweisen, geht sie zu einer sozialen Stelle (Seguridad social), hier in Denia. Die Stelle nennt sich SIP. Dort legt man nebst dem Pass oder dem Personalausweis einen Rentennachweis vor, der belegt, dass man keiner Arbeit nachgeht. Der Rentenausweis ist ein deutsches Dokument. Schweizer müssen eine entsprechende Bescheinigung bei der AHV Stelle anfordern oder mindestens einen Beleg mitbringen, in dem steht, dass sie pensioniert sind. Man muss sich aber bewusst sein, dass dort spanisch gesprochen wird und man bei Bedarf jemanden mitnimmt, der die Sprache spricht. Nach Prüfung der vorgelegten Papiere wird eine SIP- Karte auf den betreffenden Namen ausgestellt, und man kriegt einen Arzt zugewiesen.

Die SIP-Karte als Schlüssel zu Ärzten und Medikamenten

Am Anfang ist es nicht gar so einfach, bis alles läuft, aber alles hat ja bekanntlich seinen Preis. Hat man dann seine persönliche SIP-Karte, vereinbart man einen Termin beim zugewiesenen Arzt, wenn man ihn gerade braucht, das wird aber bestimmt nicht am gleichen Tage möglich sein. Ist es endlich so weit und ist man beim Arzt, ist es wichtig, die SIP-Karte, die persönliche Krankengeschichte sowie Verordnungen von Medikamenten, die man vom Arzt des Heimatlandes mitbringt, vorzulegen. Der Arzt hier ist dann befugt, Rezepte jeweils für einen Monat auszustellen, mit denen man kostenlos in einer Apotheke (Farmacia) das Benötigte beziehen kann. Die Rezepte müssen rot sein, denn mit grünen bezahlt man einen Teil selbst. Drei Monate hat man die Möglichkeit, dieses System zu nutzen, das - wie mir gesagt wurde - über einen Europafond abgerechnet wird. Die Schweiz ist als bilateraler Partner an diesem Fond auch beteiligt, und somit können auch Schweizer dieses Sozialsystem nutzen.

Gesundes Gesundheitswesen

Sollte man in eine Notsituation kommen und braucht dringend Hilfe, ruft man bei der Seguridad social an und verlangt den zugewiesenen Arzt. Ich selber habe das noch nie für eine Person in Anspruch nehmen müssen, aber es wurde mir gesagt, dass die Hilfe in so einem Fall vorzüglich klappt, sei es für zu Hause bis hin zum Spitaleintritt. Beim Eintritt in ein Spital muss der Patient seine persönliche SIP-Karte dabei haben. Diese Karten sind etwa drei Monate gültig und können immer an der selben Stelle erneuert werden, denn es gibt Urlauber die nicht drei Monate am Stück hier bleiben.

Ich glaube, manche älteren Personen die diesen Beitrag lesen, können vielleicht so auch beruhigter in ihr geliebtes Ferienland reisen, wenn sie wissen, dass dort in medizinischer Hinsicht auch gute Versorgung geboten wird. Es ist mir auch wichtig zum Ausdruck zu bringen, dass hier Ärzte und Pflegepersonal sehr gut und kompetent sind.

Fremdsprachenkenntnisse fördern die Gesundheit

Ein Schlussgedanke: Überall wo man sich befindet auf unserem Erdball ist es wichtig - ganz besonders wenn man nach dem Motto lebt “Leben, wo es mir gefällt” - die lokale Sprache wenigstens teilweise zu beherrschen, damit man sich notdürftig auszudrücken vermag, wenn es darauf ankommt.

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