Reinhard H. Ringger
  Seit 1986 mit Ehefrau Santa in Apulien (ITA)

(179) Bussen Verhandlungssache

30 Jahre lang bin ich der Schweiz Auto gefahren, ohne je eine Busse erhalten zu haben (einmal abgesehen von Parkbussen).
Bei der ersten Busse, die ich in meiner neuen Heimat erhalten hatte, standen mir gleich die die Haare zu Berge. Meinen aus der Schweiz mitgebrachten VW-Bus hatte ich im April eingelöst und gleichzeitig wie immer die Strassensteuer und die Versicherung für ein Jahr bezahlt.

Willkürliche Busse bringt Blut in Wallung

Jahre (!) später kam eines Tages der Gemeindebüttel hämisch grinsend und wichtigtuerisch an meine Türe und überbrachte mir eine Busse. Kopfschüttelnd, keines Fehltrittes bewusst, öffnete ich das Couvert. Mir wurde eröffnet, dass ich wegen Nichtbezahlen der Strassenverkehrssteuer von 3 Monaten von Lit. 12.000, nebst Unkosten usw. eine Busse von Lit. 250.000 zu bezahlen hätte. Wutentbrannt fuhr ich zum Verkehrsinspektorat und fragte, was das zu bedeuten habe. Eine nette Dame erklärte mir, dass die Strassenverkehrssteuer auf den 1. Januar erhöht worden sei, ich aber erst im April den Jahresbetrag bezahlt hätte und deshalb für die ersten 3 Monate Nichtbezahlens gebüsst werde. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich ja jeweils von April bis April bezahle und ich demzufolge die Erhöhung automatisch bezahle. Nein, war die Antwort. Laut „ihrem” Gesetz hätte ich im Januar vorbeikommen müssen und die Erhöhung für die 3 Monate im Voraus bezahlen müssen. Da platze mir der Kragen. Einen solchen Unsinn hatte ich noch nie gehört. Ich erklärte, dass - wäre mir gestattet worden, die Strassenverkehrssteuer jeweils im Januar und nicht im April bezahlen zu dürfen - das gar nicht erst passiert wäre. Ich sei nicht bereit diese Busse zu bezahlen. Nach langem hin und her und steigendem Blutdruck, ersichtlich aus der Rötung meines Kopfes, sagte die Dame: “Bezahlen Sie die Lit 12.000 auf der Post ein und bringen sie mir die Quittung vorbei, die Busse vergessen wir.”

Bei Meckern Ermässigung

Die zweite Busse bekam ich, weil ich wegen des Regens den Wagen neben vielen anderen vor der Bank parkiert hatte (colpa mia). Die Dritte war wieder eine Überraschung. Ich fuhr mit meiner Frau zu einem Nachtessen ans Meer. Ich parkierte den Wagen vor dem Restaurant. Bei der Rückkehr fand ich eine Busse an der Frontscheibe. Sofort fuhr ich zum Polizeiposten und protestierte. Ich hatte um 19 Uhr parkiert und konnte nicht wissen, dass ab 21 Uhr Parkverbot resp. der Bereich als Fussgängerzone reserviert war. Ich erklärte dem Polizisten, dass ich die Busse “aussitzen” werde. Ich sei im Recht und zudem Gast. Nach grosser Diskussion erliess er mir zwei Drittel und fragte, ob ich somit zufrieden sei.

Schnellstrasse Gallipoli-Lecce: Da gibts für 65 Euro ein Foto

Die letzte Busse erhielt ich auf der Schnellstrasse Gallipoli-Lecce. 90 km/h sind zugelassen, weiss ich seit langem, aber wenn ich 110 km/h fahre, überholen mich sogar die Lastwagen. Ich musste meine Frau zum Bahnhof nach Lecce bringen. Wie ich dem zugestellten Bussenzettel entehmen konnte, war ich mit 96 km/h geblitzt worden, nach Abzug der Toleranzgrenze von 5% also 1 km/h zu schnell. Für diesen einen Kilometer musste ich 65 Euro Busse bezahlen. Letzthin bin ich diese Strecke genau mit 90 kmh, GPS kontrolliert, gefahren. Lastwagen und Cars hupten hinter mir und überholten mich. Bin ich eigentlich der einzige, der fotografiert wird?

1 Personen mögen diesen Eintrag.