Elsamaria Schröter
  2002 in die Algarve ausgewandert (PRT)

(130) Landwirt schafft mit Landwirtin

Ich habe vor 15 Jahren noch erlebt, wie sich die Nachbarn gegenseitig in der Landwirtschaft helfen mussten. Beim Pflügen des Ackers zum Beispiel. Vorne ein Mann, er führte den Esel, an den ein Pflug aus schwerem Eisen gespannt wurde. Ein weiterer Mann stand hinten auf dem Pflug, damit dieser schön tief in der Lehmerde blieb. Den kleinen Kartoffelacker zu pflügen bedeutete einen Tag Arbeit.

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Vor 15 Jahren noch in Betrieb: Pflug,
Museum São Brás de Alportel (Bild: Elsamaria Schröter)

Ethnologische Beobachtungen im Felde

Zum Pflanzen muss der Bauer die Vertiefungen und Nebenkanäle anlegen. In diese etwa 4 m² grossen Feldern werden die Kartoffelpflanzlinge gesetzt. Die Bäuerin hatte Kartoffeln vom Vorjahr aufgespart, und jeweils zur Pflanzzeit beginnen diese zu spriessen. Die Sprösslinge werden herausgeschnitten. Aus einer Kartoffel gibt das mehrere Pflanzlinge.

Säen und Pflanzen machen immer beide zusammen. Der Bauer und seine Frau. Er muss das Loch oder die Rinne graben und ein bisschen Mist hineingeben. Seine Frau legt sorgfältig den Samen hinein und wünscht ihm gutes Gedeihen. Danach gibt sie ihrem Mann das Zeichen den Samen mit der Erde zuzudecken. Bis zur Ernte ist nun alles Männerarbeit. Erst die Ernte besorgt dann wieder die Frau.

Orangenernte

Auch bei der Orangenernte sind die Rollen klar verteilt. Die Frau pflückt, der Mann übernimmt den Transport. Wie oft kommt er angerannt, wenn ich die schwere Last auf meinen Schultern den Berg hinauftrage. Erst oben auf der Bergkuppe, dort wo der kleine Lastwagen die Früchte abholt, betten wir dann jeweils unsere Orangen fein säuberlich, eine nach der anderen, in die Transportkiste. Ganz eng müssen sie zusammenliegen.
Zweimal die Woche werden Früchte eingesammelt und nach Lissabon transportiert. Nun grenzen ja nicht alle Grundstücke an die Strasse. Woher wissen die Einkäufer, wo geerntet worden ist? Nicht vergessen: Handy gibt es vor 15 Jahren noch nicht.

Kein Problem. Ein Holzkiste wird dort hingestellt, wo die Zufahrten der Gärten an die Hauptstrasse grenzt. Auf diese Holzkiste werden drei, vier Orangen gelegt und schon ist den Einkäufern klar: Aha, da gibt es Orangen zu holen.
Ich verkaufe meine Orangen auch auf diese Art. Oft sitzen wir, meine Nachbarn und ich, nach getaner Arbeit stundenlang neben unseren Orangen und warten auf den Transport. Wie oft sehen wir dabei, wie die Sonne ins Meer versinkt und einen farbenprächtigen Himmel hinterlässt. Ungeduldig wird niemand. Ausser mir natürlich.