Annabeth Hinderling
  Mit Ehemann Jürg nach Südkalifornien (USA) ausgewandert.

(398) Sommerlektüre: Das ist Wasser

This Is Water - so heisst die Lektüre, die mir diesen Sommer ans Herz gewachsen ist. Ein Buch, das in einer Sendung vorgestellt worden war, als ich wieder einmal im Stau Radio hörte. In San Diego haben wir fast keine öffentlichen Verkehrsmittel, und für die Besuche im Rahmen des San Diego Hospice bei “meinen” Mexikaner-Familien brauche ich mit dem Auto meistens eine halbe Stunde (siehe auch letzten Beitrag). Die Radiosendungen während diesen Fahrten geniesse ich sehr. Das Thema diesmal waren Sommerlektüren und “This is Water” wurde zitiert. Der Inhalt faszinierte mich und sobald ich wieder zu Hause war, bestellte ich das Buch sofort bei Amazon.

Bewegendes  zwischen Buchdeckeln

Zwei Tage später erhalte ich das Buch per Post. Ich bin dankbar für diese Lektüre und schreibe gleich meinen Namen auf die Innenseite des Buchdeckels. Inzwischen habe ich es schon ausgeliehen und hoffe, dass alle Leser ihre Namen ebenfalls ins Buch eintragen.  Das Feedback über den Inhalt hat schon viele Gedanken in Bewegung gesetzt!

Um den Titel - “This Is Water” - zu verstehen, muss ich die ersten Zeilen des Buches verraten:
Two young fish encounter an older fish swimming the other way and the older fish asks, „ How’s the water?” The young fish ask one another: „What the hell is water?”
Übersetzt:
Zwei junge Fische treffen einen alten Fisch, der in die Gegenrichtung schwimmt und der alte Fisch fragt: “Wie ist das Wasser?”
Die jungen Fische fragen einander: “Was zum Teufel ist denn Wasser?”
So beginnt der amerikanische Autor David Wallace das Buch und so begann er 2005 auch seine Rede an der Abschlussfeier am Kenyon College in Ohio USA. Dabei spricht er zu den jungen Studenten, die ein vierjähriges Studium hinter sich haben. Diese vier Jahre an einem amerikanischen College sind für viele die besten Zeiten vor dem Einstieg in die Arbeitswelt! In den USA wohnen, studieren und leben die aus allen Landesteilen stammenden Studenten zusammen auf dem College Campus und sehen ihre Familien oft nur während den Ferien. Hoffnungsvoll studieren sie die Fächer, die ihnen dann später eine gute Arbeit ermöglichen sollen.

Verschont vom Alltag und voller Utopien

Was mich fasziniert, ist die Einstellung vieler Studenten, die hier an einem der vornehmen College studiert haben. Die Ausbildung ist in den meisten Fällen sehr teuer. Die Jungen sind es gewohnt, sorglos von Vorlesung zu Vorlesung zu hüpfen. Von vielen Unannehmlichkeiten des Alltags bleiben sie verschont, und oft haben sie eine ziemlich einfache Vorstellung vom späteren Alltag. Zum Beispiel denken viele, sie würden dereinst viel Geld verdienen und sind dann erstaunt, dass sie einen Teil ihres verdienten Geldes auch noch an die Steuern abführen müssen! Wallace spricht von den täglichen Lebenssituationen, denen wir alle begegnen und die die frisch Diplomierten auch täglich erleben werden. David Foster Wallace zwingt den Zuhörer oder -Leser zum Nachdenken. Er will, dass wir uns damit befassen, was unter uns und um uns ist - wie Wasser. Er tut das mit viel Humor und spricht sowohl jene an, die an Gott glauben, als auch jene, die sich als Atheisten bezeichnen würden. Seinen Vortrag hatte er im Jahre 2005 gehalten, das Buch wurde 2009 publiziert. Und heute entnehme ich einer inoffiziellen Fan-Site, dass sich der Schriftsteller 2008 das Leben genommen hat.
(Anmerkung Careguide: This is Water - natürlich unter Verzicht auf die sehr spezielle typografische Gestaltung - kann auch online im britischen Guardian nachgelesen werden).

Weiterführende Links
(397) You matter - auf dich kommt es an
Sommerlektüre “This is Water” von David Foster Wallace
Inoffizielle Fan-Site von DFW
DFW im Guardian

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